Rechnungen 1811-20

Das Dark Age der Hochschulgeschichte in Passau liegt zwischen 1808/09 (Einstellung des Lehrbetriebs der Hochschule ab dem Wintersemester) und 1833 (Wiedererrichtung der Hochschule als „Königlich Bayerisches Lyzeum“).

Was in diesem Vierteljahrhundert in puncto Hochschule geschah, wissen wir nicht. Diese Quelle verrät uns aber, dass es zumindest nicht nichts war.

Das Rechnungsbuch von 1811 bis 1820 ist ein Indiz dafür, dass noch ein Teil der Hochschulverwaltung, in welchem Umfang auch immer, existiert haben musste. Wäre die Hochschule vollständig geschlossen worden, würde sich kein „Papertrail“ also keine Nachweise von Daten bzw. schriftlichen Spuren mehr finden lassen.

Es ist daher zu vermuten, dass bis 1833 ein Teil der alten Hochschulverwaltung in einer Art Torsobetrieb fortgeführt wurde.

Rechnungen 1833-34

Mit der Wiedereröffnung der Hochschule und der damit verbundenen Wiederbelebung des Verwaltungsapparates steigt der Umfang der Rechnungsdaten deutlich an - auch das zeigen uns die Quellen.

Während das Rechnungsbuch im Verlauf des (angenommenen) "Stand by"-Betriebs fast zwei Jahrzehnte in einem Band umfasst, erhöht sich die Frequenz der Rechnungsbücher auf nunmehr 2 Jahre pro Band. Dies ist ein möglicher Hinweis auf den deutlich gestiegenen Rechnungsverkehr der Hochschule im Vergleich zu den Jahren 1808/9 bis 1833/34.

Die ersten beiden Rechnungsbücher aus jener neuen Ära der Hochschule in Passau sehen Sie hier, von 1833/34 und von 1834/35.

Rechnungen 1834-35

Sie werden vielleicht festgestellt haben, dass keine Transkriptionen der hier abgebildeten Seiten vorhanden sind. Dafür gibt es einen einfachen Grund: Eine Abschrift müsste sehr zeitäufwändig und mit einigem Know How per Hand angefertigt werden. Um die Informationen der hier dargestellten Rechnungsbücher zu extrahieren, erfordert es eine im Lesen der Sütterlin bzw. deutschen Kurrentschrift sehr geübte Person. Wie an den Handschriften der beiden Rechnungsbüchern der 1830er Jahre zu erkennen ist, handelt es sich dabei um zwei unterschiedliche Verfasser – deren Schriftbild den Leser bzw. Transkribierenden jeweils vor neue Herausforderungen stellt.

Für alte handschriftliche Texte aus der Zeit vor dem 20. Jahrhundert ist es kaum möglich, automatische Texterkennung (OCR, Optical Charakter Recognition) anzuwenden. Dabei erstellen Software-Programme computergenerierte Transkriptionen gewünschter Texte. Doch sogar moderne Programme haben mitunter bereits bei der zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Zeitungen verwendeten Kurrentschrift Probleme, diese auszulesen.

Handschriftliche Texte mit der OCR-Methode zu transkribieren, ist daher Gegenstand aktueller Forschungsprojekte, um die Informationsgewinnung aus handschriftlichen Quellen zu erleichtern. Damit stünden solche Quellen auch für digital basierte Foschungsansätze zur Verfügung - ein wichtiger Gegenstand der Digital Humanities bzw. der Digital History.