Die Säkularisation und ihre Folgen
22. Februar: Passau wird von bayerischen Truppen besetzt ...
Nach den Niederlagen der deutschen Staaten gegen das napoleonische Frankreich annektierte Frankreich linksrheinische Gebiete, die vormals zum Reich gehörten. Weltlichen Herrschern, die einen Verlust zu beklagen hatten, wurde durch die Abmachungen des Reichsdeputationshauptschluss eine Entschädigung gewährleistet. Diese Entschädigung bestand in der Annektion von geistlichen Besitztümern. Somit wurde das Fürstbistum Passau zerschlagen und an das Herzogtum Bayern angegliedert. Diese Angliederung veränderte die Stadt Passau in ihren Grundfesten. Durch den neuen Herrscher in München wurde Passau von einer schillernden Residenzstadt zu einem entlegenen Außenposten. Der Glanz alter Tage verblasste und es fand ein regelrechter Ausverkauf des kirchlichen Besitzes statt, um Geld in die klamme bayerische Staatskasse zu bringen.
Davon ist auch die fürstbischöfliche Akademie betroffen. Diese Akademie, die teilweise aus vier Fakultäten bestand, kann zu Recht als einer der Vorläufer der Universität Passau angesehen werden. Mit der Tradition des Hochschulstandorts Passau wurde im Zuge der Säkularisierung gebrochen. Mit dem Ende des Fürstbistums ging auch das Ende der fürstbischöflichen Akademie einher, obwohl der Lehrbetrieb zumindest in Teilen noch bis 1808/09 weitergeführt wurde.
29. und 30. Dezember: Ein Inventar des Studien- und Alumnatshaus wird erstellt ...
Das Dokument, das im Zuge des 40-jährigen Jubiläums der Universität Passau nun digitalisiert und aufbereitet wurde, umfasst eine Liste der Güter, die in einem kurfürstlichen Studien- und Alumnatshaus vorgefunden worden sind. Neben Küchen- und Gartenutensilien, wurden auch die Einrichtungsgegenstände und Besitztümer der Professoren und Lehrer aufgelistet. Darüber hinaus kam es beispielsweise auch zu einer Dokumentation der Gegenstände, die den Hausknechten gehörten.
Dieser Wille zur vollständigen Dokumentation durch die bayerische Verwaltung kann ein Glücksgriff für den Forschungszweig der Mikrogeschichte sein. Auch wenn über den weiteren Verbleib der aufgenommenen Gegenstände wenig zu erfahren ist, können an Hand der Liste doch Rückschlüsse auf das alltägliche Leben der Bewohner des Hauses gezogen werden. Ein besonderes Augenmerk fällt beim Betrachten der Liste auf den Herrn Hasreiter, einen der Lehrenden. Anscheinend wollte er aus der Dokumentation der Gegenstände einen Profit schlagen, da in der Liste ein Vermerk auftaucht, dass er Dinge angibt, über deren Aufenthaltsort er nichts sagen kann und, die wie von dem Erdboden verschluckt bleiben. Jeder Leser muss für sich selbst entschieden, ob hier möglicherweise ein Betrugsversuch dokumentiert ist oder nicht. Wenn man jedoch bedenkt, dass das Bistum eine wirtschaftlich schwere Zeit durchlebt, da viele Berufe von den Aufträgen des Fürstbischofs abhängig waren, verwundert ein derartiger Versuch der Bereicherung allerdings nicht. Die bayerischen Staatsdiener waren bei der Dokumentation ehrlich und verzerrten die Wirklichkeit nicht. Sachen, die schon kaputt waren oder keinen Wert hatten, wurde als solche benannt. Exemplarisch hierfür steht die Aufnahme eines Hängkasten in die Liste mit den Anmerkungen, dass dieser Kasten nur noch als altes Holz angesehen werden kann und keinen Funktionswert mehr hat.
Auch wenn die Säkularisationsliste dieses Studienhauses auf den ersten Blick vielleicht eher nebensächlich erscheint, ist sie dennoch ein wichtiger Zeuge einer stürmischen Zeit für die Stadt Passau und die gesamte niederbayerische Region. Obwohl das Fürstbistum Passau in seiner Macht und seinem Prunk nicht mit den anderen großen weltlichen Zentren Deutschlands mithalten konnte, war der Fürstbischof doch ein Garant für die kulturelle Entwicklung in dieser Region, die durch die Eingliederung in den bayerischen Herrschaftsbereich gestoppt wurde.
Die Eröffnung der Universität Passau im Jahr 1978 kann deshalb als ein später Versuch angesehen werden die kulturelle Entwicklung - in dieser lang vernachlässigten Region am Rande des bayerischen Staatsgebiets - erneut in Gang zu bringen.