Rechnungen 1786

Beim ältesten Schriftstück aus dem Archiv der Universität Passau handelt es sich um Wirtschaftsrechnungen, Aufstellungen von Einnahmen und Ausgaben von November 1785 bis April 1786.

1786: Joseph Maximilian Freiherr von Lütgendorf startet von Augsburg aus den Versuch, mit seiner „Gondolfiere“ der erste deutsche Luftsegler zu werden. Johann Wolfgang von Goethe veröffentlicht "Iphigenie auf Tauris" und der preußische König Friedrich der Große stirbt nach rund 46-jähriger Regierungszeit im Schloss Sanssouci in seinem Sessel.

Um diese Zeit also entand unsere Passauer Quelle. Es lohnt sich, ihren Kontext genauer zu betrachten. Man kann unter anderem folgenden Text lesen:

Empfang an der Zimmer-Einrichtung
[...]
Im Monat Dezember
Ab diesem Monat zu 31 Täg a 2 Kreuzer zahlen vorbesagte 4 Exjesuiten 4 Gulden, 8 Kreuzer.

Die Wirtschaftsrechnungen wurden damals von der Fürstbischöflichen Akademie Passau geschrieben, die 1773 gegründet wurde. Daran sieht man, dass es bereits vor der Universität Passau auch schon eine Hochschule in Passau gegeben haben muss (bereits 1612 gab es einen Jesuitenkolleg in der Dreiflüssestadt). Weiterhin sieht man, dass die Fürstbischöfliche Akademie Zimmer vermietet hat und nicht einfach umsonst für Angehörige vermittelt hat (in einer anderen Textpassage der Quelle wird jedoch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Professoren und Alumni kostenfrei ein Zimmer beziehen durften).

Ebenso kann man noch einen Hinweis auf die gültige Währung zu dieser Zeit finden. Bei 31 Tagen zu je 2 Kreuzer bei 4 Personen kommt man auf 248 Kreuzer, was offenbar vier Gulden und acht Kreuzern entspricht, also entsprachen 60 Kreuzer einem Gulden.

Eine genaue Angabe, wann der Jesuitenorden durch Papst Clemens XIV. aufgehoben wurde, findet sich hier zwar nicht - das war 1773 - aber die Bezeichnung Exjesuiten spricht eindeutig dafür, dass der Jesuitenorden nicht mehr existiert. Somit wäre, würde es keine weiteren Quellen über diese Aufhebung geben, zumindest eine ungefähre zeitliche Einordnung möglich. Anders herum, könnte man aber auch durch vorhandene andere Quellen wiederum eine Verifikation der Authentizität der vorliegenden Quelle vornehmen.

13 Jahre nach der Aufhebung des Jesuitenordens leben mit Sicherheit ehemalige Angehörige dieses Ordens noch und es ist daher nicht verwunderlich, den Begriff Exjesuiten in den Rechnungen zu finden, lebten diese Ordensangehörigen doch vermutlich noch in den entsprechenden Gebäuden, in denen sie auch damals gelebt haben.

Die Fürstbischöfliche Akademie knüpfte genau da an, wo die Jesuitenhochschule aufgehört hatte. Nach der Auflösung des Jesuitenordens durch den Papst im Jahre 1773 wurde die Hochschule als fürstbischöfliche Akademie seit Fürstbischof Leopold Ernst Kardinal Graf von Firmian mit teilweise vier Fakultäten (Jurisprudenz, Medizin, Philosophie und Theologie) weitergeführt.

Die Wirtschaftsrechnungen belegen also sowohl die Auflösung des Jesuitenordens vor 1786 als auch die Fortführung der Hochschule durch Rechnungsaufzeichnungen - denn es gibt nur dann Rechnungen, wenn auch etwas betrieben wird.