Der Stundenplan von Studierenden wird während des laufenden Semesters maßgeblich mitbestimmt von Vorlesungen. Das ist heute so, und so war es auch im 19. Jahrhundert. Vorlesungsverzeichnisse aus dieser Zeit verraten, was gelehrt wurde, und wie Lehrinhalte gewichtet wurden.

Das Studium mag sich in den letzten Jahren radikal verändert haben, Vorlesungen finden nicht mehr nur in Hörsälen, sondern auch zum Teil ausschließlich Online statt, und Dinge wie Studienbücher gibt es heute nicht mehr, doch eines ist geblieben: Der Stundenplan für die Studenten. Mittlerweile findet die Wahl der Kurs und das Zusammenstellen der Semesterpläne vollkommen digital ab, so etwas wie Vorlesungsverzeichnisse gibt es heute nur noch an den wenigsten Lehrstühlen als materiellen Aushang.

Im 19. und bis zur Mitte des 20. Jahrhundert bestimmten diese Aushänge jedoch maßgeblich den Alltag der Studenten und sind daher, auch aufgrund ihrer Wandlung im Laufe der Jahrzehnte, einen Blick wert.

Die ältesten Vorlesungsverzeichnisse, welche digitalisiert wurden, stammen aus den Jahren 1805/6 und 1806/1807.

Bei genauerer Betrachtung fällt auf, warum diese beiden in Hinsicht auf ihre Bedeutung für die Passauer Hochschulgeschichte gewählt wurden: Auf dem Verzeichnis von 1805/6 lautet die Überschrift wie folgt: „Tabellarische Übersicht der Lehrvorträge am churfürstliche Lyceum zu Passau […].“
Dem aufmerksamen Leser wird auffallen, dass diese Institution im kurzen Anschnitt zur Passauer Hochschulgeschichte nicht erwähnt wurde - in den Wirren, die der Säkularisation von 1803 folgten, gehörte die Hochschule jetzt zum Kurfürstentum Bayern, daher auch der Name der Hochschule. Doch bereits im Wintersemester 1806/7 heißt es in der Überschrift: „[…] am königlich-bayerischen Lyceum zu Passau“, nachdem Bayern zum Königreich erhoben wurde.

Vorlesungsverzeichnis 1805/1806

Das Vorlesungsverzeichnis von 1805/6

Die Lehrveranstaltungen des II. Philosophischen Kurses beinhalteten

  • Antropologie, Logik und Metaphysik
  • Algebra
  • Lateinische Klassiker
  • Aesthetik
  • Naturlehre
  • Geschichte der Philosophie
  • Mineralogie
  • Höhere Mathematik
  • Griechische Klassiker
Vorlesungsverzeichnis 1806/1807

Das Vorlesungsverzeichnis von 1806/7

Die Lehrveranstaltungen für den III. Philosophischen Kurs unterscheiden sich nicht zu denen des II. Philosophischen Kurses, lediglich die in Latein und Griechisch gelesenen Werke sind andere.

Vorlesungsverzeichnis 1834/1835

Bei dem Vorlesungsverzeichnis des Semesters 1834/35 handelt es sich nur mehr um ein einzelnes Blatt mit einer Tabelle und handgeschriebenen Einträgen - jedoch ist bereits eine deutliche Reduzierung beziehungsweise Umstrukturierung der Veranstaltungen erkennbar. Die Tabellen und Spaltenbeschriftungen sind bereits gedruckt, während die Vorlesungsverzeichnisse der Jahre 1805/6 und 1806/7 vollständig handgezeichnet und beschrieben sind.

In den Kursen der Theologie mussten folgende Lehrveranstaltungen besucht werden:

  • Moraltheologie nach Stapf
  • Kirchenrecht nach Scheckl
  • Archaeologie
  • Dogmatik nach Emmanuel Salomon
  • Hebraeische Sprache
  • Kirchengeschichte nach Hortig
  • Einleitung in die hh. Schriften des Neuen Bundes später Exegese