Noten-Register von 1833/34 bis 1837/38

Notenlisten und Notenregister aus den 1830er Jahren teilen uns mit, dass damals nicht nur die reine Prüfungsleistung ins Gewicht fiel. Auch das - von den Lehrenden subjektiv bewertete - aufgewendete Maß an Fleiß trug zur Note bei.

Die Noten, die hier abfotografiert sind, stammen von Studenten des Königlich Bayerischen Lyzeums Passau. Das Lyzeum war strenggenommen noch keine Universität, sondern eine Zwischenstufe zwischen Gymnasium und Universität. Zu diesem Zeitpunkt gab es außerdem nur die zwei Fächer Theologie und Philosophie; Theologie wurde in zwei Jahren, Philosophie in drei Jahren absolviert.

Beispielhaft sieht man einen Vergleich zwischen Notenliste („Resultat der Semestral Prüfungen“) und Notenregister vom II. theologischen Kurs der ersten beiden Semester 1833/34. Sie sind also aus dem ersten Lehrjahr, nachdem die heutige Universität Passau als Königlich Bayerisches Lyzeum wiedererrichtet worden ist. Damals waren nur männliche Studierende erlaubt.

Das Verhältnis von Notenliste und Notenregister lässt sich mit dem heutigen System vergleichen: so wie Schüler heute Zwischenberichte über das Jahr verteilt und am Ende ein Jahreszeugnis bekommen, gab es damals Notenlisten mit allen Noten und Notenregister mit den Jahresgesamtnoten der Studenten. Im II. theologischen Kurs, also der höchsten Stufe der Theologie am Lyzeum, waren in den ersten beiden Semestern 17 Studenten eingeschrieben.

Die Noten haben sich jeweils unterteilt in eine Fortgangs- und eine Fleißnote; die Fortgangsnote war die offizielle Note, die sich aus den abgelegten Leistungen ergab, die Fleißnote, die die Professoren subjektiv verteilt haben, so dass beispielsweise schlechte Prüfungsleistungen ausgeglichen werden konnten. Die Frage, in welchem Verhältnis die beiden Noten zueinander stehen, welches Gewicht sie haben für das Endresultat, bleibt offen, genauso wie die Frage wer diese bestimmt hat, da nur eine einzige Fleißnote für jedes Fach eingetragen ist.

Scheinbar war es aber möglich, dass sich Fleiß auf Fortgang auswirkte: bei Herrn Binder sieht man in der Notenliste vom Semester I, dass die Notensumme von vier Einzelnoten im Fach Moral-Theologie eigentlich 10 ist, was zu der Durchschnittsnote 2-3 führen würde. Als Fleißnote ist allerdings 1-2 eingetragen, was erklären könnte, warum als Durchschnittsnote eine einfache 2 genommen wurde (diese findet man auch im Notenregister so vor). Das ist kein Einzelvorkommnis, sondern bei mehreren Kandidaten in dem ein oder anderen Fach zu beobachten. Da die Fleißnote generell besser als die Fortgangsnote ist, hilft sie also das Ergebnis aufzubessern.

Das wird auch dadurch verstärkt, dass nicht die Summe der Einzelnoten durch die vier Professoren (siehe Semster I in der Notenliste) als Basis für die Endnote genommen wird – auch nicht für die Fortgangsendnote; beim Nachrechnen wird klar, dass die durchschnittliche Fortgangsnote jedes einzelnen Fachs hergenommen und durch die Anzahl der Fächer geteilt wurde. Da dort Fleiß- bereits in die Fortgangsnote eingeflossen ist (und sie ggf. aufgebessert hat), kommt ein anderes Ergebnis dabei heraus als beim Rechnen mit der Gesamtnote der Einzelbewertungen durch die vier Professoren. Zugute kommt dies beispielsweise Herrn Münich, der im I. Semester damit nicht mehr zwischen 1 und 2 steht, sondern eine glatte 1 bekommt. Zusätzlich werden die Studierenden aber in eine Rangliste eingereiht, bei der derjenige mit den besten Noten und folglich der geringsten Notensumme an Platz 1 steht.

Notenliste 1833 - 1837

In der Notenliste selbst gibt es Unterschiede bei der Notierung zwischen dem ersten und zweiten Semester. Im ersten wurden noch für jedes Fach die Einzelnoten der vier beurteilenden Professoren angegeben, während im zweiten nur noch die letztendliche Fleiß- und Fortgangsnote zu sehen ist. Außerdem ist die Fächerbezeichnung nicht einheitlich: Jus wird im Notenregister zu Kirchen-Recht, Kirchen-Geschichte heißt für das II. Semester der Notenliste Historia Ecclesiastica und Moral-Theologie nur noch Moral.

Manchmal wurde in der Notenliste eine unterstrichene 1 als Note eingetragen, welche im Notenregister dann zu einem „1a“ oder „Ausgezeichnet“ wurde. Wenn ein Student zwischen zwei Noten steht, wird dies nicht mit einer Kommazahl, z.B. „1,5“ angezeigt, sondern mit „1-2“ oder „1/2“. Auch im Notenregister werden diese nicht auf- oder abgerundet so wie heute, sondern bleiben so stehen.

Obwohl das Notenregister die bereinigte Form ist, in der nur die Endnoten stehen, wurde zudem ein Name  (Schweinbeck) am Ende der Liste angefügt, der so eigentlich nicht in die alphabetische Reihenfolge gehört. In der Notenliste sind die Namen noch korrekt aufgeführt; ob das nur ein Abschreibfehler war oder andere Gründe hatte, lässt sich heute nicht mehr sagen. Eine weitere Unstimmigkeit im Notenregister ist, dass die Spalte Talente nur für die fünf Studenten auf der dritten abgebildeten Seite ausgefüllt ist. Zudem ist nicht ersichtlich, woher die Note dafür stammt, und während vier der fünf eine Zahl als Note dafür eingetragen bekommen haben, steht bei Herrn Singer nur ein "a".

Im Notenregister wird für jedes Fach nicht die Notensumme sondern nur die Durchschnittsnote für Fleiß und Fortgang eingetragen. Alle Fächernoten werden dann aber wieder addiert und aus dieser Summe die endgültige Durchschnittsnote errechnet - sowohl für Fleiß und Fortgang als auch eine Gesamtnote. Zudem wird in der Spalte Sitten eine Note für das Verhalten eingetragen, ähnlich wie heute der Kommentar am Anfang eines Jahreszeugnisses. Es wird zwar pro Student für jedes Semester eine Sitten-Note vergeben; jedoch wurde diese in der Notenliste nur für das zweite Semester eingetragen, daher weiß man nicht, woher die Note für das erste Semester kommt, die im Notenregister dennoch eingetragen ist.

Alles in allem ist klar zu merken, dass das Lyzeum noch im Anfangsstadium stand, da eine gewisse Einheitlichkeit und Struktur im Notationssystem fehlt.