• Politische Laufbahn

Er war streng konservativ und politisch sehr aktiv; er beschäftigte sich mit öffentlichen Tätigkeiten und den Problemen des industriellen Zeitalters: Er förderte die Donauzeitung und den Eisenbahnerverband, 1890 gründete er den Passauer katholischen Arbeiterverein und mitbegründete 1906 den Verband der Süddeutschen Katholischen Arbeiterinnenvereine.

Zwischen 1893 und 1918 war Pichler Mitglied der Kammer der Abgeordneten des bayerischen Landtags (Wahlkreis Passau) und zwischen 1893 und 1911 Abgeordneter des Reichstags (Wahlkreis Grafenau), jeweils im Führungszirkel der Zentrumsfraktion, die Deutsche Zentrumspartei war die Vertretung des politischen Katholizismus im deutschen Kaiserreich (1871-1918).

1912/13 war er Befürworter der Beendigung der Regentschaft Prinzregent Luitpolds und die Übernahme der Königskrone durch Ludwig III. Nach dem Ende der Monarchie in Bayern 1918 zog sich Pichler vollständig aus dem politischen Leben zurück.

  • Förderung von Infrastruktur

Während seiner politischen Tätigkeit war er im bayerischen Landtag Referent für die Verkehrsanstalten (seit 1899) und Vorsitzender des Finanzausschusses (1912-18). Pichler nahm aktiv an wichtigen Eisenbahninfrastrukturprojekten in Niederbayern teil (bsp. Bau der Bahnstrecke Passau-Hauzenberg, Bahnstrecke Erlau-Wegscheid) und förderte die Gründung und Entwicklung des Bayerischen Eisenbahnerverbandes.

  • Ehrungen

Im Juni 1914 wurde Pichler von König Ludwig III., als die königliche Familie Passau besuchte, in den persönlichen Adelsstand erhoben. Anlässlich seines 70. Geburtstages wurde ihm am 5. Oktober 1922 das Ehrenbürgerrecht der Stadt Passau verliehen.

Dr. Franz Seraph Ritter von Pichler starb am 5. Oktober 1927 im Alter von 75 Jahren. Dem Trauerzug am 8. Oktober erwiesen hohe Ehrengäste wie Ministerpräsident Heinrich Held sowie amtierende Minister und Landtags- bzw. Reichstagsabgeordnete ihm die letzte Ehre.

Von Pichler wurde in der Dompropstgruft in Passau bestattet.

Er ist Namensgeber des Dr.-von-Pichler-Platzes in Passau und die Christkönigsglocke, die größte Glocke der Kirche St. Josef in Auerbach, wird zu seinen Ehren auch Pichlerin genannt.

  • Auszeichnungen

- Königlich Bayerischer Verdienst-Orden vom hl. Michael, IV. Klasse (1907)
- Diözesan-Ehrenpräses (1908)
- Königlich Bayerischer Verdienst-Orden vom hl. Michael, IV. Klasse mit der Krone (1909)
- Päpstl. Hausprälat (1912)
- Königlich Bayerischer Verdienst-Orden vom hl. Michael, III. Klasse (1913)
- Ritterkreuz des Königlichen Verdienstordens der Bayerischen Krone (1914)
- König Ludwig-Kreuz (1916)
- Rote Kreuz-Medaille, III. Klasse (1916)
- Preußisches Verdienstkreuz für Kriegshilfe (1918)
- Königlich Bayerischer Verdienst-Orden vom hl. Michael, II. Klasse (1918)
- Ehrenbürger der Gemeinde Asenham
- Ehrenbürger der Stadt Passau (1922)
- Generalmoderator der Erzbruderschaft der Priester von der Anbetung des Allerheiligsten Sakramentes (1925)

Literatur:

Dieter, Albrecht (2001), Pichler, Franz Seraph, in: Neue deutsche Biographie,Bd.20, S. 414.
URL:https://www.deutsche-biographie.de/gnd13362045X.html#ndbcontent

Fachbereich WD 1 (2006), Historische Ausstellung des Deutschen Bundestages. Parteien im Kaiserreich 1871-1918.
URL:https://www.bundestag.de/blob/190460/5f38cc519c567ce5bf532e11fec3d4cd/parteien_kaiserreich-data.pdf

https://regiowiki.pnp.de/wiki/Franz_Seraph_von_Pichler