Karrierestart
Lebenslauf
- Ausbildung
Franz Seraph Pichler wurde am 4. Oktober 1852 in Stockhäuser bei Asenham/Bad Birnbach (Niederbayern) geboren und wuchs in einer tief religiösen Familie auf.
Zwischen 1864 und 1872 besuchte er das Gymnasium Leopoldinum in Passau, an welchem er die Absolutorialprüfung (damalige Abiturprüfung) in allen Fächern mit Bestnote als Klassenbester abschloss. Gleich im Anschluss daran studierte er 1872-76 am Königlich Bayerischen Lyzeum in Passau.
- Kirchliche Laufbahn
Im Jahr 1876 empfing er die Weihe zum Priester und war Kaplan an der Kirche Santa Maria dell’Anima in Rom. An der Università Gregoriana in Rom promovierte er zum Doktor des kanonischen Rechts. 1883 wurde Pichler Domvikar in Passau, 1899 Domkapitular, 1910 ernannte ihn Papst Pius X. zum Dompropst. Pichler hielt zahlreiche kirchliche Ämter inne und war 1922 an der Gründung der Bischöflichen Finanzkammer beteiligt.
- Politische Laufbahn
Er war streng konservativ und politisch sehr aktiv; er beschäftigte sich mit öffentlichen Tätigkeiten und den Problemen des industriellen Zeitalters: Er förderte die Donauzeitung und den Eisenbahnerverband, 1890 gründete er den Passauer katholischen Arbeiterverein und mitbegründete 1906 den Verband der Süddeutschen Katholischen Arbeiterinnenvereine.
Zwischen 1893 und 1918 war Pichler Mitglied der Kammer der Abgeordneten des bayerischen Landtags (Wahlkreis Passau) und zwischen 1893 und 1911 Abgeordneter des Reichstags (Wahlkreis Grafenau), jeweils im Führungszirkel der Zentrumsfraktion, die Deutsche Zentrumspartei war die Vertretung des politischen Katholizismus im deutschen Kaiserreich (1871-1918).
1912/13 war er Befürworter der Beendigung der Regentschaft Prinzregent Luitpolds und die Übernahme der Königskrone durch Ludwig III. Nach dem Ende der Monarchie in Bayern 1918 zog sich Pichler vollständig aus dem politischen Leben zurück.
- Förderung von Infrastruktur
Während seiner politischen Tätigkeit war er im bayerischen Landtag Referent für die Verkehrsanstalten (seit 1899) und Vorsitzender des Finanzausschusses (1912-18). Pichler nahm aktiv an wichtigen Eisenbahninfrastrukturprojekten in Niederbayern teil (bsp. Bau der Bahnstrecke Passau-Hauzenberg, Bahnstrecke Erlau-Wegscheid) und förderte die Gründung und Entwicklung des Bayerischen Eisenbahnerverbandes.
- Ehrungen
Im Juni 1914 wurde Pichler von König Ludwig III., als die königliche Familie Passau besuchte, in den persönlichen Adelsstand erhoben. Anlässlich seines 70. Geburtstages wurde ihm am 5. Oktober 1922 das Ehrenbürgerrecht der Stadt Passau verliehen.
Dr. Franz Seraph Ritter von Pichler starb am 5. Oktober 1927 im Alter von 75 Jahren. Dem Trauerzug am 8. Oktober erwiesen hohe Ehrengäste wie Ministerpräsident Heinrich Held sowie amtierende Minister und Landtags- bzw. Reichstagsabgeordnete ihm die letzte Ehre.
Von Pichler wurde in der Dompropstgruft in Passau bestattet.
Er ist Namensgeber des Dr.-von-Pichler-Platzes in Passau und die Christkönigsglocke, die größte Glocke der Kirche St. Josef in Auerbach, wird zu seinen Ehren auch Pichlerin genannt.
- Auszeichnungen
- Königlich Bayerischer Verdienst-Orden vom hl. Michael, IV. Klasse (1907)
- Diözesan-Ehrenpräses (1908)
- Königlich Bayerischer Verdienst-Orden vom hl. Michael, IV. Klasse mit der Krone (1909)
- Päpstl. Hausprälat (1912)
- Königlich Bayerischer Verdienst-Orden vom hl. Michael, III. Klasse (1913)
- Ritterkreuz des Königlichen Verdienstordens der Bayerischen Krone (1914)
- König Ludwig-Kreuz (1916)
- Rote Kreuz-Medaille, III. Klasse (1916)
- Preußisches Verdienstkreuz für Kriegshilfe (1918)
- Königlich Bayerischer Verdienst-Orden vom hl. Michael, II. Klasse (1918)
- Ehrenbürger der Gemeinde Asenham
- Ehrenbürger der Stadt Passau (1922)
- Generalmoderator der Erzbruderschaft der Priester von der Anbetung des Allerheiligsten Sakramentes (1925)
Literatur:
Dieter, Albrecht (2001), Pichler, Franz Seraph, in: Neue deutsche Biographie,Bd.20, S. 414.
URL:https://www.deutsche-biographie.de/gnd13362045X.html#ndbcontent
Fachbereich WD 1 (2006), Historische Ausstellung des Deutschen Bundestages. Parteien im Kaiserreich 1871-1918.
URL:https://www.bundestag.de/blob/190460/5f38cc519c567ce5bf532e11fec3d4cd/parteien_kaiserreich-data.pdf