Zahlen und Figuren
Zahlen
Wir erhalten anhand des Immatrikulationsbuches Informationen zur Zusammensetzung der Studentenschaft des Semesters 1833/34.
Verteilung
1833/34 waren 92 Studenten wie folgt eingeschrieben:
1. Philosophischer Kurs: 41
2. Philosophischer Kurs: 19
1. Theologischer Kurs: 15
2. Theologischer Kurs: 17
Mit knapp 45% besuchte die deutliche Mehrheit der Studenten demzufolge den 1. Philosophischen Kurs.
Altersstruktur
Der jüngste Student war zu Beginn des Wintersemester 1833/34 16 Jahre alt, der Älteste 31.
Im Durchschnitt betrug das Alter der Studenten 20 Jahre, die meisten der Studenten, 17 von ihnen, waren 19 Jahre alt.
Mit dem Studienfortschritt stieg auch das Alter der Studenten pro Kurs, die Altersverteilung war innerhalb der Kurse unterschiedlich.
Allgemein lässt sich ein Schwerpunkt auf die Altersgruppe der 18 bis 21-jährigen feststellen.
Herkunft
Lediglich knapp ein Viertel der Studenten stammten aus einem Passauer Elternhaus.
67 der 92 Studenten kamen von außerhalb Passaus für ihr Studium in die Stadt, am weitesten hatte es ein Student aus Innsbruck.
Die deutliche Mehrheit der Studenten, 60%, kamen aus einer Distanz von 10 bis 50km nach Passau.
Figuren
Anhand der Informationen des Immatrikulationsbuches lässt sich auch die Sozialstruktur der Studenten anhand der väterlichen Berufe auswerten. Auch eine Analyse der "Wirth- und Kostleute" nach demselben Schema ist möglich.
Als wissenschaftliche Grundlage für die Auswertung der Berufe dient - neben klassischen Analyseschemen aus der Sozialforschung - der HISCO-Code (HISCO - historical international standard classification of occupations / Historische Internationale Standardklassifikation von Berufen), welcher es Wissenschaftlern weltweit ermöglicht, historische Auswertungen bezüglich Berufen international vergleichbar zu machen.
Für das Immatrikulationsbuch ergibt sich mithilfe des HISCO-Codes folgendes Ergebnis:

Einteilung der väterlichen Berufe in die HISCO-Gruppen

Einteilung der väterlichen Berufe in HISCO nach Anzahl der Berufsausübenden.
Der größte Teil der Berufstätigen ist der Gruppe „Production and Related Workers, Transport Equipment Operators and Labourers“ zuzuordnen, unter welche - allgemein gefasst - vor allem Handwerker fallen.
Die „Agricultural, Animal Husbandry And Forestry Workers, Fishermen And Hunters“ setzen sich in Passau vor allem aus Berufstätigen im Land- und Forstwesen zusammen. Der zahlenmäßig am häufigsten ausgeübte Beruf war der des „Bauern“, 16 Personen zählten sich zu genau dieser Berufsbezeichnung. Durch Einbeziehung der anderen Bezeichnungen für diesen Beruf steigt die Zahl auf 22 Ausübende. Weit dahinter kamen Lehrer (4), Weber und der Handelsmann (jeweils 3).
Die Gruppen der „Administrative And Managerial Workers“ - hierzu gehören vor allem Beamte und Berufe, die mit dem Staatsdienst assoziiert werden, und „Professional, Technical And Related Workers“ - etwa Lehrer - fallen mit einem Anteil von jeweils 12% dahinter zurück.
Mit am wenigsten vertreten waren die Angehörigen der Gruppen „Service Workers“ (z.B. Wirte) und „Sales Workers“ (z.B. Kaufmänner). Die am seltensten verzeichneten Berufstätigen gehören der Gruppe „Clerical and Related Workers“ an.
Unter Verwendung des HISCO-Systems zeigt sich für Passau eine deutliche Summierung und Dominanz der Handwerksgruppen und der Angehörigen des Forst- und Landwirtschaftswesens, mit einem Gesamtanteil von 58,69%. Beamte und Lehrer machten zusammen etwa ein Viertel der Berufstätigen in Passau aus.
Diese Anwendung von HISCO erlaubt jedoch keine Aussage über Rang und Stand der einzelnen Personen. Hierzu müssen die Berufe in ein Sozialsystem eingeordnet werden, im Folgenden wird dafür das von Konrad Jarausch verwendet. Um es zu verstehen, müssen aber zuerst kurz die Begriffe "Bildungs- bzw. Besitzbürgertum" und "Alter bzw. Neuer Mittelstand" eingeordnet werden.
- Das Bildungsbürgertum bestand im Wesentlichen aus Akademikern, zu denen Theologen, Mediziner und Juristen zählten. Hinzu kamen später die Philologen. Wenngleich noch viele weitere Berufe in das Bildungsbürgertum einflossen - wie etwa Beamte oder hohe Militärs - so waren diese vier Berufe bis 1870 die einzigen Akademikergruppen, für deren staatlichen Ausbildungsabschluss das gymnasiale Abitur und das Studium an einer Universität nötig waren.
- Zum Besitzbürgertum gehörten industrielle und höhere kommerzielle Familien.
Nach dem Schema von Jarausch bestand der „Alte Mittelstand“ z.B. aus Handwerker und Bauern, im „Neuen Mittelstand“ waren nichtakademische Beamte und Angestellte vertreten.
Mit einem Anteil von 83,70% stellte der Mittelstand bzw. das Kleinbürgertum die größte Gruppe in Passau dar.
Innerhalb dieser sozialen Schicht ist, nach der Einteilung von Jarausch, ein klarer Unterschied zwischen "Altem" und "Neuem Mittelstand" zu erkennen. Mit 67,39% (bzw. 62 Angehörigen) dominiert der alte Mittelstand mit Bauern und Handwerkern die gesamte Statistik dieses Jahrgangs.
Der „Neue Mittelstand“ bildet mit 16,30% (bzw. 15 Angehörigen) weit dahinter die zweitgrößte Gruppe, vor allem aus Lehrern und mittleren sowie niederen Beamten bestehend.