Das Digitale Uni-Museum entstand in Teamarbeit. Ist das nicht fast ein Widerspruch zu "digital" - quasi einem Synonym für Vereinzelung vor dem Screen? Warum dem genau nicht so war, erfahren Sie hier.

Die Lehrveranstaltungen fanden (abgesehen von der Digitalisierungspraxis) fast ausschließlich im PC-Pool des Universitätsgebäudes Juridicum statt. Dieser mit 24 PC-Arbeitsplätzen bestückte Raum wurde jeweils für die Dauer der Sitzungen gebucht und ermöglichte den Teilnehmenden ein stetes Arbeiten mit dem Internet bzw. im Netzwerk der Universität, unter Nutzung entsprechender Software. Die Situation war auch sehr vorteilhaft für kleine und größere Gruppenarbeiten sowie für Arbeitspakete, die von Teams wahrgenommen wurden.

Im Zeitzeugen-Interview mit dem Uni-Archivar Mario Puhane ist eine interessante Aussage zu studentischem Arbeiten im Digitalen festgehalten:

Q: „Wenn Sie zurückdenken an Ihre Studienzeit - würden Sie dann einen Unterschied erkennen in der Lehr- und Lernqualität im Vergleich zu früher? Dadurch, dass ja auch die Digitalisierung heute eine größere Rolle spielt?“

A: „Es ist so, wir haben eigentlich gelernt, das war in den 90er Jahren, die Hälfte des studentischen Lebens führt der Student in der Bibliothek. Damals gab es das Internet nicht, so wie es es jetzt gibt. Bibliothek heißt - und das ist nicht romantisch - ich steh bei den Büchern, ich hab mir ein paar Titel rausgesucht, geh ins Regal und hab dann daneben die einschlägige Literatur, muss dann - für Schlagworte, für Allgemeinwissen, an den Brockhaus oder an die Britannica, an das Buch gehen.

Das würde man jetzt Googlen, da hab ich auch gar nichts dagegen. Aber dadurch,dass ich in der Bibliothek bin - ich bin ja nicht der Einzige von dem Seminar - trifft man sich und es ist Austausch da! Oder man schimpft gemeinsam über das letzte furchtbare Referat, und durch dieses Digitalisieren, finde ich, vereinsamt man. Jeder sitzt nur noch an seinem Gerät, sucht sich die ganze Sache her.

Es ist weniger Austausch da und das ist dann auch, weil kein Austausch da ist, weil auch nicht verschiedene Thesen im Vorab diskutiert werden, kann das beim Referat in die falsche Richtung gehen. Weil man hat nur eine, und die versucht man zu erklären - und dann sagt der Dozent ‚Haben Sie denn auch die und diese Richtung eigentlich schon mal berücksichtigt?‘, und dann steht man da und eigentlich hat er Recht, aber ich habs nicht gemacht. Also diese Interaktion, die ist - außer man trifft sich im PC-Pool - nicht mehr so gegeben.“