Von fast nichts zu sehr viel
Prof. Dr. Egon Boshof erzählt im Zeitzeugeninterview aus der Anfangszeit der Universität, dem gezielten Aufbau der Universitätsstruktur und der Fakultäten sowie von seinen Eindrücken über Land und Leute. Erfahren Sie, was in den 1970er und 80er Jahren geschaffen wurde und wie dies die Struktur der Universität langfristig beeinflusste.
Prof. Dr. Egon Boshof wurde am 3. Januar 1937 in Stolberg (Rheinland) geboren. In Köln studierte von 1957 bis 1962 Lehramt mit den Fächern Geschichte, Germanistik und Philosophie und kehrte dort nach Lehrtätigkeit 1967 zurück, um unter Theodor Schieffer über Leben und Werk des Erzbischofs Agobard von Lyon zu promovieren.
Er habilitierte 1971 mit einer Schrift über „Das Erzstift Trier und seine Stellung zu Königtum und Papsttum im ausgehenden 10. Jahrhundert. Der Pontifikat des Theoderich.“ Bis 1979 war er wissenschaftlicher Rat und Professor in Köln.
1978 folgte er dem Ruf an die Universität Passau, wo er von 1979 bis 2002 den Lehrstuhl für mittelalterliche Geschichte innehatte. In seiner Zeit in Passau war er Dekan der kulturwissenschaftlichen Fakultät, später der philosophischen Fakultät, und von 1985 bis 1988 Vizepräsident der Universität Passau.
Von 1994 bis 2008 war er Leiter des Instituts für Ostbaierische Heimatforschung. Er wurde 1994 in die Kommission für die Herausgabe der Deutschen Inschriften des Mittelalters und der frühen Neuzeit aufgenommen, 1995 folgte die Aufnahme in die Kommission für bayerische Landesgeschichte.
2005 erhielt Prof. Dr. Egon Boshof die Kulturmedaille des Landes Oberösterreich, 2009 das Bundesverdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland und den Kulturpreis des Landkreises Passau für sein wissenschaftliches Lebenswerk sowie 2015 den Kulturellen Ehrenbrief der Stadt Passau.
Passau ohne Studenten - heute kaum mehr vorstellbar. Prof. Dr. Egon Boshof erlebte die Veränderungen, welche sich durch die neu gegründete Universität im Stadtbild und der Gesellschaft in Stadt und Landkreis taten. Wie nahm er die Einstellung der Passauer Bevölkerung wahr? Wie beurteilt er die Entwicklungen?
Zumindest in den Kreisen, in denen ich mich umgesehen habe oder in denen ich heimisch geworden bin, habe ich festgestellt, daß die Akzeptanz der Universität ständig gestiegen ist. Zu Anfang, als ich herkam und dann in der Graf-Salm-Straße residierte, habe ich natürlich gemerkt, daß bei den einfachen Leuten, vor allem bei denen, die z. B. ihre Häuser in der Graf-Salm-Straße räumen mußten und daher unmittelbar betroffen waren, die Abneigung und Skepsis groß waren, Skepsis auch unter dem Aspekt, daß man natürlich seit den 68er Studentenrevolten den Studenten gegenüber mehr oder wenig mißtrauisch und negativ gegenüberstand und in weiteren Kreisen auch die Furcht vorherrschte, daß es nun mit der Ruhe in Passau vorbei sei. Wobei natürlich auch eine Rolle spielte, daß der erste Plan zur Errichtung einer Universität in Passau von einer Campusuniversität im Neuburger Wald ausging. Die Verwirklichung eines solchen Planes hätte sicherlich negative Konsequenzen gehabt und eine Integration der Universität in das Stadtleben verhindert oder zumindest erschwert. Daß man dann eine Lösung mit der Ansiedlung der Universität in der Stadt fand, hat dann doch sehr schnell zur wachsenden Akzeptanz bei der Bevölkerung geführt. Das war deutlich zu merken.
Im Landkreis bot sich für die Universitätsvertreter ein besonderes Begrüßungspublikum:
Hier wirkte sich, soweit ich das überschauen konnte, sehr vorteilhaft aus, daß die Universitätsleitung von Anfang an den Kontakt zum Umland suchte. Wir haben beispielsweise häufiger die umliegenden größeren Orte besucht und uns vorgestellt. Die Resonanz war sehr positiv. Das war eine nette Erfahrung. So etwas kannte man natürlich nicht in einer etablierten Großstadtuniversität wie beispielsweise Köln. Ich erinnere mich z. B. an einen Besuch in Vilshofen, bei dem den Mutigen sogar ein Flug im Kleinflieger über die Stadt und den Landkreis angeboten wurde.
Öffentlichkeit und Gesellschaft - wie standen sie zur neuen Universität und den Studenten?
Ich glaube sagen zu dürfen, daß die Universität in der Gesellschaft sehr schnell präsent war, und zwar positiv präsent. Das merkte man bei öffentlichen Veranstaltungen, wo man sehr schnell in Kontakt kam mit den entsprechenden gesellschaftlichen Schichten. Ich kann sagen, daß die - um es vorsichtig zu formulieren - "Gebildeten" keinerlei Berührungsängste mit den Neuankömmlingen hatten, und nicht selten hörte man Urteile wie etwa: "Durch die Universität ist die Stadt aus einem langen Schlaf erwacht". Sie wollen die subjektive Seite hören: Ich kann uneingeschränkt bestätigen, daß ich diese Akzeptanz erlebt habe. Ich habe mich mit meiner Familie schnell und ohne Probleme akklimatisiert und sehr wohl gefühlt. Kurz gesagt: Ich habe nur positive Erfahrungen gemacht. Natürlich kam mir zugute, daß ich als Dekan und Vizepräsident die Universität auch in der Öffentlichkeit repräsentieren mußte, was zwangsläufig zu vielen Kontakten führte.
Jeder neue Student kennt ihn, seit der Anfangszeit ist er eine Konstante: Der Leberkäsempfang.
Herausragende Ereignisse gab es natürlich im Universitätsleben: beispielsweise schon sehr früh die Jahrestagung der Görresgesellschaft (die wir trotz Raumproblemen meisterten) oder der Partnerschaftsvertrag mit der traditionsreichen Karls-Universität in Prag. Die Universitätsleitung, vor allem der Präsident/Rektor Pollok, hat sich darüber hinaus auch sehr bemüht, den von ferne kommenden Studenten die besonderen Lebensverhältnisse in Niederbayern nahezubringen, und dazu hat wohl auch der beliebte Leberkäseempfang für die Erstsemester beigetragen.
Passau bekam mit der Universität auch eine neue Bevölkerungsgruppe. Prof. Dr. Egon Boshof erlebte die Veränderungen, welche sich durch die neu gegründete Universität im Stadtbild und in der Gesellschaft in Stadt und Landkreis taten.
Wie sah er die Einstellung der Passauer? Wie beurteilt er die Entwicklungen?
Skepsis und Akzeptanz
Begrüßungen
Universität und Gesellschaft
Gesellschaftsfaktor
Leberkäsempfang
23 Jahre lang forschte und lehrte Prof. Dr. Egon Boshof an der Universität Passau. Er war dabei eine maßgebliche Kraft im Aufbau der Etablierung der mittelalterlichen Geschichte an der Universität, ebenso wie bei der Gründung der philosophischen Fakultät, der er später als Dekan vorstand. Auch hatte er drei Jahre das Amt des Vizepräsidenten der Universität inne. Durch seine langjährigen Tätigkeiten verfügt er über ein umfangreiches Wissen, was die Strukturen und Veränderungen der jungen Universität angeht. Hier erzählt er von den anfänglichen Hürden, aber auch den Chancen, die sich boten.
Die Universität war zunächst auf 4000 Studenten ausgelegt, ist dann aber schnell gewachsen auf mindestens 10000 zur Zeit meiner Pensionierung. Der Aufschwung wurde gefördert durch besondere Studienangebote, Studiengänge, die in Deutschland zunächst ein Alleinstellungsmerkmal darstellten - z. B. der Kulturwirtstudiengang in der Philosophischen Fakultät oder die fachspezifische Fremdsprachausbildung. Das fand an anderen Universitäten bald Nachahmung. Dabei muß ich betonen, daß der Präsident Pollok ein genialer Organisator war, ein großes Netzwerk auch in München an den Ministerien besaß, und der mit Herrn Dr. Friedrichs einen Kanzler an seiner Seite hatte, der ihm in jeder Hinsicht zuarbeiten konnte. Beide bildeten auch in der Öffentlichkeit ein bekanntes Gespann.
Mit der Universität und den vergangenen 40 Jahren kamen also Veränderungen - oder?
Wir haben uns natürlich an der traditionellen Universitätsstruktur, also der Gliederung in Fakultäten ausgerichtet, wobei die bereits bestehende Theologische Hochschule als Theologische Fakultät in die Universität eingegliedert wurde. In der Philosophischen Fakultät wurden die Lehramtsstudiengänge sowie der Promotions- und der Magisterstudiengang (Kulturwirt) angeboten.
Auch für Prof. Boshof, der bereits in Köln als Dozent tätig gewesen war, gab es in Passau Neues:
Eine grundsätzliche Entscheidung war bereits auf politische Ebene dadurch erfolgt, daß das Studium der Grundschullehrer von den Pädagogischen Akademien oder Hochschulen an die Universität verlagert worden war. Damit hat man natürlich auch diese Ausbildung nicht unwesentlich verwissenschaftlicht. Mir gegenüber haben Studenten manchmal geklagt: "Was ich jetzt hier in mittelalterlicher Geschichte wissen muß, das brauche ich nicht, wenn ich Erstkläßler unterrichte". Aber uns ging es um eine solide wissenschaftliche Ausbildung, und auf dieser Basis gewann dann auch die Didaktik für die Ausbilder der zukünftigen Lehrer aller Stufen an Bedeutung. Daß es eigene Didaktikprofessuren gab, war mir neu. In den Anfängen unserer Universität war die auf Betreiben von Präsident Pollok und mit Zustimmung aller Kollegen erfolgte Zusammenlegung der beiden ursprünglich eingerichteten Fakultäten für Sprach- und Literaturwissenschaften und für Kulturwissenschaften zur Philosophischen Fakultät, eine wichtige Entscheidung. Das hatte natürlich Konsequenzen z.B. für die Vereinfachung der Verwaltung und brachte auch gewisse Synergieeffekte. Herr Kollege Felix war Dekan der Sprachwissenschaftlichen Fakultät, ich zunächst der Kulturwissenschaftlichen Fakultät und wurde dann zum ersten Dekan der Philosophischen Fakultät gewählt.
Whiteboards, Smartboards, Beamer und Laptop – der Uni-Alltag im 21. Jahrhundert ist von Technik bestimmt.
Ja gut, im Zusammenhang mit der zunehmenden Digitalisierung - heute gibt es dafür einen eigenen Lehrstuhl an der Universität (Digital Humanities) - hat sich natürlich vieles geändert, was mich aber Gottseidank nicht mehr betroffen hat: Also daß man z.B. eine Vorlesung hält, bei der man mit dem Beamer arbeitet und das vorliest, was man ohnehin per Computer an die Wand wirft. Das war noch nicht allgemein üblich. ich habe also mit Tafel und Kreide (sehr ausgiebig) gearbeitet.
23 Jahre lang forschte und lehrte Prof. Boshof an der Universität Passau. Er war dabei eine maßgebliche Kraft im Aufbau des Fachs Mittelalterliche Geschichte und bei der Gründung der philosophischen Fakultät, der er später als Dekan vorstand. Auch hatte er drei Jahre das Amt des Vizepräsidenten inne. Wie sah er die Strukturen und Veränderungen der jungen Universität, und wie die Schwierigkeiten und Chancen?
Werbung und Wachstum
Klein aber oho
Mit der Universität kamen auch Veränderungen im Studium - oder?
Studienfächer
Auch für den bereits erfahrenen Dozenten brachte der Wechsel von Köln nach Passau Neues.
Verwissenschaftlichung
Aus zwei mach eins
Whiteboards, Smartboards, Beamer und Laptop sind in der Uni des 21. Jahrhunderts Alltag. Wie sieht Prof. Boshof dieses Phänomen?Tafel und Kreide
Von einer etablierten, großen Universität in einen Hörsaal mit einer Handvoll Zuhörern. Das war der Eindruck, den Prof. Dr. Egon Boshof erfuhr, er als von Köln nach Passau kam. Wie kam er zu diesem Schritt? Wie war die Universität der frühen Jahre aufgebaut?
Doch hören sie selbst, wie ein Professor die Anfangszeit erlebte:
Als in Passau eine neue Universität errichtet wurde, habe ich mir überlegt, mich auf den Lehrstuhl für mittelalterliche Geschichte zu bewerben. Ich war in Köln für mittelalterliche und neuere Geschichte und historische Hilfswissenschaften habilitiert worden. Große Hoffnungen habe ich mir nicht gemacht, weil man in Köln und anderswo davon ausging, daß für den Passauer Lehrstuhl ein "gestandener Bayer" vorgesehen sei. Ich habe mich trotzdem beworben, einfach um zu prüfen, wie man so als junger Dozent - ich war in Köln schon Wissenschaftlicher Rat und Professor - im Bewerbungsspektrum angesiedelt sei. Ich habe dann bei der Vorstellung vor einer Berufungskommission in München Erfolg gehabt. Ich bin mit Beginn des Sommersemesters 79 nach Passau gekommen . Ich hatte in Köln, wenn ich das so sagen darf, eine große Zahl von Hörern. In Passau nahm ich natürlich sofort den Lehrbetrieb auf und fing bei Null an: mit meinem Assistenten (und späteren Nachfolger) Herrn Erkens und einem Studenten, der von mir später promoviert wurde, als den ersten und einzigen Hörern. Das war natürlich zunächst - ich will nicht sagen: ein Schock - aber eine neue Erfahrung die ich verkraften mußte. Wobei von vornherein das persönliche Klima mit Präsident Pollok, Kanzler Friedrichs und dem Bibliotheksdirektor Heinrich Wimmer, aber auch den an der Juristischen und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät schon lehrenden Kollegen ein ausgezeichnetes war. Wir waren zunächst ein kleiner Kreis, der die neue Universität aufbaute. Aber wir bildeten zusammen mit dem wissenschaftlichen Personal, den Sekretärinnen und den Offizianten eine verschworene Gemeinschaft. Da hat sich jeder eingesetzt und zwar ganz bewußt die Sache der Universität zu seinen eigenen gemacht.
Vorlesungen mit wenigen Studenten - möglich. Lehrveranstaltungen ohne Dozenten? Nicht möglich - aber ein großes Problem der Anfangszeit:
Als Dekan hatte ich dafür zu sorgen, daß der Lehrbetrieb so rasch wie möglich organisiert wurde. Die Lehrstühle wurden sukzessive in Berufungsverfahren besetzt. Ich habe selbst noch vor einer Kommission, die aus Kollegen verschiedener deutscher Universitäten zusammengesetzt war, meine Bewerbungsvorlesung in München gehalten. Wir haben dann aber schnell dafür gesorgt, daß die Bewerbungen in Passau vor eigenen Kommissionen - im Anfang zunächst noch zum Teil mit auswärtigen Kollegen besetzt - stattfanden. Für die Fächer, für die ein Lehrstuhl oder eine Professur nicht vorgesehen waren, hatte ich als Dekan Lehraufträge zu organisieren. Ich habe dafür auch hier in den hiesigen Gymnasien qualifizierte Kollegen angeworben, wobei ich mir im Ministerium Rat holen konnte. Das hat mich natürlich viel Zeit gekostet; ich mußte mich ja zunächst mit den heimischen Verhältnissen vertraut machen. Aber es war sehr interessant. Das passiert einem in unserem Beruf ja selten. Da kommt man sozusagen in ein gemachtes Bett, wird man auf einen Lehrstuhl berufen, der u. U. schon mehr als hundert Jahre besteht. Hier war ich auf einen Lehrstuhl berufen worden, der erst aufgebaut werden mußte - von der Ausstattung her und der Bibliothek bis hin zum Lehrbetrieb. Viele der organisatorischen Probleme mußten im Ministerium geklärt werden. Also hat man häufiger Fahrten nach München machen müssen: Herr Pollok, Herr Friedrichs, Herr Bloch als Vizekanzler und ich als Dekan einer Fakultät, später als Vizepräsident. Es war eine spannende, bewegte Zeit, verbunden mit großem Arbeitsaufwand - aber es hat sich gelohnt.
In den Jahren 2017/18 befindet sich die Zentralbibliothek im Umbau. Wie sollte man auch ohne Bücher und Bibliothek studieren können?
Eine Bibliothek war nicht vorhanden. Das ist, was den Aufbau der Universität anging, wieder ein wichtiger Punkt. Der Versuch der Universitätsbibliothek, mit der vorhandenen, bestens - vor allem mit alten Beständen - ausgestatteten Staatlichen Bibliothek zu fusionieren, so daß wenigstens ein Grundstock vorhanden gewesen wäre, ist gescheitert - aus welchen Gründen, kann ich nicht sagen. Ich begann also sozusagen ohne ein Buch. Aber dann ging es sehr schnell, dank der Aktivitäten des Bibliotheksdirektors Heinrich Wimmer, der ein ausgezeichneter Organisator war. Ein Hilfsmittel war der Verbundskatalog der bayerischen Universitäten. Ich habe - teils auf der Eisenbahn, als ich noch zwischen Passau und Köln pendelte - eine große Zahl von Leitzordnern zu den Bibliotheksbeständen der bayerischen Universitäten durchgesehen , angestrichen, was anzuschaffen war. Und ich habe alles Gewünschte erhalten, Geld war genügend vorhanden. So ist in kurzer Zeit eine ausgezeichnete Bibliothek aufgebaut worden.
Die junge Universität Passau war als Institution in das System deutscher Universitäten integriert, mit einer besonderen Beziehung zwischen den Mitarbeitern und Lehrenden und mit einem schnell wachsenden Netz aus Partnerschaften - über eiserne Grenzen hinweg.
Dank der großzügigen Unterstützung durch die Universitätsleitung hat unsere Universität rasch in der Gelehrtenrepublik Fuß gefaßt. Die Vernetzung nach außen wurde intensiv betrieben: durch Einladung auswärtiger Kollegen zu Gastvorträgen, durch die Organisation von Fachtagungen, durch Partnerschaften mit anderen internationalen Universitäten in großer Zahl (ich erwähnte bereits den Vertrag mit Prag), durch Fachkongresse usw. Von der Struktur her war Passau mit der Gliederung in Fakultäten , wie gesagt, eine Gründung nach klassischem Modell. Die Philosophische Fakultät war in bezug auf Studenten und Lehrstühle die zahlenmäßig stärkste im Gesamtspektrum der Universität, aber auch die am stärksten heterogene. Die Juristische und die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät und die etwas später gegründete Fakultät für Informatik waren in sich geschlossener. Aber es gab keine Rivalitäten. Die erste Generation der Professoren stellte eine im ganzen in sich geschlossene Gemeinschaft dar; man kannte sich und war von dem gemeinsamen Willen beseelt, eine erfolgreiche und renommierte Institution zu schaffen. Und es gab auch Gemeinschaftserlebnisse: Beispielsweise traf man sich auf Einladung des Herrn Bischofs am Nikolaustage - bezogen auf das Zentrum der Universität: das ehemalige Nikolakloster - zum gemeinsamen Festmahl unter Einbeziehung des Domkapitels. Hier gab es keine konfessionellen oder weltanschaulichen Unterschiede. Nur einmal wurde diese Gemeinsamkeit auf die Probe gestellt, als der Soziologie Alf Mintzel einen als Erschütterungsexperiment (wie er später sagte) gedachten Streit um das Emblem/Siegel der jungen Universität auslöste. Man hatte als Emblem das Siegel der ehemaligen Theologischen Hochschule, die Madonna im Siege, gewählt. Der Kollege sah darin ein Symbol einer die Geistesfreiheit und unabhängige wissenschaftliche Forschung bedrohenden Geisteshaltung. Die Universitätsleitung hat den Streit nicht ausgefochten, sondern auf das Siegel verzichtet. Mein Fazit ist, daß die erste Generation der Professoren und Mitarbeiter mit Stolz auf das zurückblicken kann, was sie in relativ kurzer Zeit geschaffen hat.
Von einer etablierten, großen Universität in eine kleine, im Aufbau begriffene. Wie kam es zum Sprung von Köln nach Passau? Wie war die Universität der frühen Jahre aufgebaut?
Von Köln nach Passau
Schock
Neustart
Bibliothek? - Nicht vorhanden!
Wie bei traditionellen Universitäten
Anpassung
Zusammenhalt und Nikolaustag
Partnerschaften