Der Polyeder
„Das klotzige Stahlstück wehrt sich gegen den ästhetischen Blick mit der Vehemenz seiner Materialität, quer zu einer vorstellbaren, weitergetriebenen Form und verweist eben deshalb auf eine solche Möglichkeit.“ (Hermann Kleinknecht)
So beschreibt der Künstler selbst die von ihm im Jahr 2000 geschaffene Skulptur „Polyeder – Kopf“ (Größe 80cm x 70cm x 60cm). Das asymetrisch geformte Kunstwerk mit unregelmäßigen Rillen und Spuren in der Oberfläche wurde mit einem Schmiedehammer aus einem Block glühenden Stahls geschmiedet. Es steht auf einem runden, flachen Betonsockel von 155cm Durchmesser, der ca. 10 cm aus einer Grünfläche herausragt, die sich zwischen Wegen befindet, die zum Südeingang des Juridicums führen.
Wie der Präsident der Universität Passau 2008 anlässlich der Publikation eines Bildbands über die Kunst am Campus der Universität Passau ausführt, setzt sich der Titel „Polyeder – Kopf“ zusammen aus dem eigentlichen Ziel, einen Kopf zu schaffen - was aufgrund der Materialeigenschaften nicht möglich war - und dem letztendlichen Ergebnis eines Polyeders. Die Idee der Schaffung eines Kopfes verbindet das Kunstwerk mit dem Universitätsgebäude Juridicum, indem es die beiden Elemente in Beziehung zueinander setzt.
Das Kunstwerk entstand im Rahmen des Projekts „Kunst am Campus“ an der Universität Passau, das von der staatlichen Förderung Kunst am Bau unterstützt wurde. Deren Hintergrund ist, dass das Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung regulär einen gewissen Kostenanteil für Kunstwerke am Bau vorsieht, je nach Bauwerkskosten von 1,5% (unter 20 Mio. Euro) bis 0,5% (über 100 Mio. Euro).
Die "Kunst am Campus" wurde unter dem Umstand gefördert, dass für die Finanzierung jeweils Bauabschnitte referenziert wurden. So standen über die Zeitspanne, in der der Campus wuchs, immer wieder belastbare Summen zur Förderung von Kunst durch Auftragsvergabe oder Ankauf zur Verfügung. Nicht zuletzt deshalb kann der Campus mit anspruchsvollen Werken namhafter, auch internationaler bzw. international bekannter KünstlerInnen aufwarten.
Ziel des Projekts "Kunst am Campus" ist es, so fährt der Präsident 2008 weiter fort, Kunst für alle zu schaffen - dabei geht es aber nicht darum, eine spezifische Öffentlichkeitswirkung zu erreichen. Vielmehr soll ein sinnstiftendes Element dem Universitätsgelände einen individuellen Charakter verleihen und eine Symbiose zwischen Natur, Architektur und Kunst geschaffen werden.
Hermann Kleinknecht (geb. 1934, Bad Berneck) studierte nach einer Glasmalerlehre an der Akademie der Bildenden Künste in München und erhielt 1975 den Förderpreis der Stadt München für Malerei (Kleinknecht 2016). Zurzeit lebt und arbeitet Kleinknecht in Berlin und der Bretagne.