Der 1. Weltkrieg veränderte nicht nur das Leben einzelner Personen, er veränderte auch das Leben an den höheren Lehranstalten dramatisch.

In der Forschung geht man davon aus, dass fast alle Passauer Studenten im Heeresdienst standen oder sich in Gefangenschaft befanden, sodass Zeitweise nur 6 bis 10 Hörer, meist Verwundete oder Kranke, an den Vorlesungen teilnahmen. 

Der Anteil der kämpfenden Studenten stieg von Jahr zu Jahr an:

1914: 67 im Kampf - 89 Immatrikuliert 

1915: 69 im Kampf - 77 Immatrikuliert 

1916: 73 im Kampf - 82 Immatrikuliert

1917: 84 im Kampf - 90 Immatrikuliert


Es mag an diesem Umstand gelegen haben, dass zum Wintersemester 1916/17 nicht nur männliche Vollimmatrikulierte Studenten und Gasthörer die Vorlesungen besuchten, sondern auch 41 Frauen den Lesungen im Fach "Sozialethik" lauschten.

Sie alle waren entweder Lehrerinnen an einer Passauer Schule, bzw. Nonnen sofern sie in Niedernburg unterrichteten, oder befanden sich in der Lehrerinnenbildungsanstalt Freudenhain. 

Während sich die männlichen Studenten hauptsächlich aus dem Milieu der Mittel- und Unterschicht rekrutierten, so lässt sich bei den Frauen die soziale Herkunft zu einem Großteil auf das Bildungsbürgertum und die gehobene Mittelschicht zurückführen. So finden sich ein Oberlandesgerichtsrat oder der Kreissekretär des Landesverbandes Landwirtschaftlicher Darlehenskassenvereine unter den Vätern der Frauen. 

Durch die Inscriptionszettel lassen sich auch Verwandtschaften - bei Marie und Maria Wunderlich handelt es sich um Mutter und Tocher, welche beide die Sozialethik-Vorlesung besuchten.

Literatur: Franz Xaver Eggersdorfer, Die philosophisch-theologische Hochschule Passau. Passau: Philosophisch-Theologische Hochschule Passau, 1933. 

Inscriptionszettel 1916/17

Das in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts für die Immatrikulation der Studenten verwendete Immatrikulationsbuch wurde bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch die Inscriptionszettel ersetzt, welche auch zur Zeit des 1. Weltkrieges noch im Einsatz waren. Anders als in dem von einem Mitarbeiter des Lyzeums ausgefüllten Buches wurden die Inscriptionszettel von den Studenten selbst ausgefüllt. 

Wie auch im Immatrikulationsbuch finden sich auf den Inskriptionszettel Angaben zu Name, Religion und Geburtsdaten der Studenten. Neu sind die Angaben des Geburtsortes plus Pfarrei und Diözese, ebenso die Angabe des Wohn- und Heimatortes mit Berzirksamt und Kreis.

Der Stand der Eltern wird weiterhin nachgefragt, neu ist die Angabe ob die Eltern noch leben.

Gleich bleibt auch die Angabe der Anstalt, von welcher der Student an das Lyzeum wechselte, ebenso wie Angaben zur Wohnsituation des Studenten. Im 1. Weltkrieg fand sich hier die Angabe, in welcher Militärischen Einheit der Student diente. 

Als Neuerung wurde nun nicht nur das aktuelle Studium vermerkt sondern auch das Zukünftig angestrebte Fachstudium sowie die Semesterzahl.

Die Spalte für Bemerkungen blieb erhalten, zur Zeit des 1. Weltkrieges von 1914-1918 fand sich hier oft der Eintrag "Z.z. im Heeresdienst".

Neu war auf den Inskriptionszetteln auch die Unterschrift des Studenten - in den Kriegsjahren übernahm ein Kommilitone das Ausfüllen der Zettel für Studenten, die sich im Krieg befanden, und setzte darunter seine eigene Unterschrift. 

Von 144 Kriegsteilnehmern kehrten 106 zurück, 38 waren im Kampf gefallen oder in Gefangenenlagern verstorben:

 

 

Hanseder Joseph

Hurm Andreas

Schwarzenböck Joseph

Burghart Martin

Feldmeier Georg

Hödl Friedrich

Kellner Alois

Sprengeisen August

Kapfhammer Johann

Bauer Karl

Saller Joseph

Auer Georg

Mitterer Nikolaus

Stadler Benno

Huber Franz

Koller Joseph

Brunner Nikolaus

Müller Karl

Höglinger Heinrich

Nömmer Johann

Haider Karl

Zauner Georg

Wittmann Karl

Schößler Ludwig

Krenn Joseph

Petz Ludwig

Jetz Georg

Schlecht Johann

Trötsch Wilhelm

Fieger Karl

Breiherr Rudolf

Maier Luitpold

Schmidmaier Eduard

Schöffmann Theodor

Feilmeier Alois

Wimmer Alois

Bayer Josef

 

Sandtner Ludwig