Der "Madonnenstreit"
Protest
Professor Dr. Alf Mintzel wurde 1981 auf den Lehrstuhl für Soziologie an der Universität Passau berufen und baute das Fach an der Philosophischen Fakultät aus. Er kritisierte die Weiterverwendung der jesuitisch-gegenreformatorischen "Maria vom Siege" scharf und initiierte den Protest dagegen.
Im Zeitzeugeninterview fasst er seine Argumente im "Madonnenstreit" noch einmal zusammen.
Prof. Dr. Alf Mintzel berichtet zunächst vom Aufkommen des Madonnenstreits an der konservativen "Arbeitsuniversität", an der normalerweise alles konsequent nach Plan verlaufen sollte. Als kritischer Sozialwissenschaftler entfachte er allerdings die Diskussion zur Einführung eines neuen konfessionslosen Logos. Nicht alle Professoren der Belegschaft waren damals auf seiner Seite. Deswegen überlegte sich Prof. Mintzel eine wissenschaftlich unangreifbare Vorgehensweise und sah von der Veröffentlichung seiner Satire ab.
Ausschnitt 1
Alle semiotischen Zeichen, also auch religiös-konfessionelle Symbole wie die "Maria vom Siege" haben eine lange Tradition und einen gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Bedeutungshintergrund. Herr Prof. Dr. Alf Mintzel erläutert seine Meinung zur Säkularisierung und betont dabei die aktuelle Relevanz des Themas, indem er eine Verbindung zwischen dem Madonnenstreit und dem Kruxifixstreit herstellt, den der bayrische Ministerpräsident Markus Söder Ende April 2018 entfachte.
Ausschnitt 2
Herr Prof. Dr. Alf Mintzel erklärt, dass durch den Madonnenstreit universitäre Strukturen und Machtverhältnisse deutlich wurden, von denen meist weder die Studierenden noch die Außenwelt etwas mitbekommen. Vor allem die Besetzung eines Konkordatslehrstuhles durch einen Protestanten sorgte für Aufregung, wie sich der pensionierte Professor erinnert.
Ausschnitt 3
Satire
Im Zuge dieser Aktivitäten verfasste Professor Dr. Alf Mintzel auch eine Satire zur Thematik. In dieser lässt er verschiedene Perspektiven karikierend "zu Wort kommen" - in fiktiven Leserbriefen von fiktiven Lehrstühlen an die Passauer Neue Presse.
Wir stellen Ihnen hier exemplarisch zwei dieser erfundenen Stellungnahmen als Zeitdokumente vor. Sie markieren satirisch zwei Pole der Affirmation, wie sie Prof. Mintzel wahrnahm: Gleichgültigkeit und Zustimmung.
Univ.-Prof. Dr. Justin Time Schmalensky
Lehrstuhl für Corporate Identity Research
Universität Passau
Domplatz 1
(Vis a vis vom Marienpförtlein)
In den Kontroversen über das Logo der Marienuniversität Passau ist die Emanzipation der Frau von wissenschaftlicher Lust viel zu wenig bedacht worden. Maria fördert insbesondere auch das Wohlergehen der Wissenschaftlerinnen. Dank Mariä erhielten Frauen schon früh Zugang zur Wissenschaft. Maria ist deshalb auch das vorbildhafte Emblem aller Wissenschaftlerinnen. Ich meine, die Universität Passau braucht keine „Frauenbeauftragte“, sie hat Maria. Das Quotenproblem scheint mir an der Universität endgültig und optimal gelöst zu sein. Die Immaculata weist hier der wissenschaftlichen Nachwuchspflege den Ausweg. Zu den vollkommenen Männern der Fakultäten gehört nun einmal die vollkommene Frau, und da gibt es nur die Eine, Unsere Liebe Frau – den Frauen zum Trost und Vorbild. Die intellektuelle Jungfräulichkeit der Universität Passau ist die terra metaphysica ihrer Hohen Wissenschaft.
Univ.-Prof. Dr. Victor von Lustenau
Thomas-von-Aquin-Institut für christliche Frauenforschung der Universität Passau
Große Messergasse 6
Passau 8390